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Diaspora · Eigener Beitrag

DIE FREIHEIT, DIE GEFANGEN HÄLT

Jahrelang träumt man von der Freiheit nach dem Arbeitsleben. Doch wenn sie da ist, zeigt sich: Um die Freiheit zu kämpfen und mit ihr zu leben, sind zwei verschiedene Dinge.

Ein kurzer Essay für Menschen im Ruhestand

Und dann kommt ein Moment im Leben, in dem man nicht weiss, was man mit seiner Freiheit anfangen soll. Man ist frei von der Arbeit, von den Pflichten, die einem den grössten Teil des Lebens genommen haben. Man kann hingehen, wohin man will, und tun, was man möchte. Doch seltsamerweise braucht man vieles gar nicht mehr.

Jahrelang hat man von dem Tag geträumt, an dem man niemandem mehr Rechenschaft über seine Zeit ablegen muss. Und wenn dieser Tag kommt, merkt man: Die Pflichten haben einem nicht nur Zeit genommen. Sie haben einem auch beigebracht, wie man sie verbringt.

Denn der Mensch lernt, um seine Freiheit zu kämpfen. Aber er lernt nicht immer, mit ihr zu leben.

Und so kann einen eines Tages selbst ein Übermass an Freiheit gefangen halten, wenn man nicht gelernt hat, frei zu sein.

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